Der Landkreis Belgard-Schivelbein in Pommern    

                                

Wurde Schivelbein brandenburgisch durch Tausch mit Belgard ?

Manfred Pleger 1994

Ludwig Kortlepel aus Schivelbein, in unserem Heimatkreisbuch abgedruckt, berichtet folgendes (1929):

"Daß Schivelbein brandenburgisch wurde, soll folgendermaßen zugegangen sein: Im Jahre 1248 gab Herzog Barnim der Gute von Stettin dem Bischof Hermann von Kammin das Land östlich der Persante sowie die angrenzenden Burgbezirke Podewils und Concrine (Stolzenberg). Zu dem letzteren gehört der heutige Kreis Schivelbein. Dessen südlichen Teil aber beanspruchten die brandenburgischen Markgrafen, die in der Neumark festen Fuß gefaßt hatten. Um das Jahr 1266 oder 1268 scheint der Bischof den südlich der Rega gelegenen Teil seines Burgbezirkes an die Markgrafen verkauft zu haben, um vom Pommernherzog den westlichen Teil des Kolberger Landes zu erhandeln. Schivelbein wurde damit der nördlichste Teil brandenburgischen Besitzes und daher gesichert. Auf den Überresten des wendischen Burgwalls entstand das feste Haus der Markgrafen ..."

Dr. Heinrich Berghaus sieht dies anders; im Landbuch des Herzogthums Kaschubien - Erster Band 1867 - schreibt er über die Grenzen und Landeszugehörigkeit des Landes Belgard folgendes (der Auszug ist mit Daten weiterer Literatur ergänzt):

Bei der Landesteilung zwischen den ersten christlichen pommerschen Herzögen Wartislaw I. und Ratibor I. erhielt dieser die Gebiete von Belgard, Schlawe und Stolp (Ostpommern). Bogislaw I., im Jahre 1181 von Kaiser Barbarossa zum deutschen Reichsfürsten erhoben, war nach dem Tode seines Bruders Kasimir I. Herr des pommerschen Landes von der Persante im Osten bis über die Peene in Vorpommern hinaus, hatte also ganz Vor- oder Westpommern in seiner Hand vereinigt. Die Persante bildete die Grenze zwischen West- und Ostpommern.

Um 1184 bemächtigten sich die ostpommerschen Fürsten Swantibor und Mestwin unter dem Beistande der Markgrafen von Brandenburg und der polnischen Fürsten des Landes Belgard, dessen Grenzen auch den heutigen Kreis Neustettin umfaßten, wo das Land im fernen Osten durch große Waldungen von Polen getrennt war. Im Jahre 1268 verfügt Barnim I. von Westpommern als Landesherr im Lande Belgard, aber schon 1269 überläßt Mestwin II. von Ostpommern, wahrend er seine übrigen Länder dem Markgrafen von Brandenburg zu Lehn aufträgt, den letzteren Burg und Land Belgard zu freier Verfügung. Da Mestwin II. in der betreffenden Urkunde bekennt, daß die Markgrafen für die Verheiratung seiner Tochter gesorgt haben, und nun wirklich der mecklenburgsche Fürst Pribislaw, ein Sohn Pribislaw's von Richenberg, als Gemahl von Mestwin's II. Tochter Katharina und im Besitz des Landes Belgard auftritt, so gewinnt es den Anschein, daß von Seiten der Markgrafen durch Ausstattung des beiden Fürstenhäusern verwandten Pribislaw mit dem Lande Belgard eine Ausgleichung der ostpommerschen und westpommerschen Ansprüche auf das Land ins Werk gesetzt sei. Jener Pribislaw wird zuerst 1280 als domicellus in Belgart im Gefolge Barnims I. genannt. Beim Vierradener Friedensschluß 1284 erscheint der vorpommersche Herzog Bogislaw IV. den Markgrafen gegenüber, bestimmt als Landesherr des Landes Belgard. Ihm wurde freigestellt, sich den Besitz des für eine Kriegsentschädigung von 4.000 Mark Silber auf zwei Jahre an die Markgrafen verpfändeten Landes Ukermünde durch die Verpfändung der Länder Welschenburg und Daber, und entweder des Landes Labes oder des Landes Belgard zu sichern. Der Herzog zog, um sich Ukermünde zu sichern, das letztere vor, und gab die Länder Welschenburg, Daber und Belgard als Pfandstücke hin. Indessen scheint es, daß er sie verfallen ließ; denn 1287 bekennt Pribislaw von Belgard die Länder Belgard, Daber und Welschenburg als brandenburgisches Lehn zu besitzen. Doch 1290 ist Bogislaw IV. schon wieder Landesherr und 1291 bestätigt er die 1289 von seinem Statthalter Pribislaw gemachte Schenkung über 200 Hufen an das Kloster Bukow. Wahrscheinlich hatte Bogislaw die Länder Belgard und Daber von Brandenburg gegen das Land Schivelbein eingetauscht, welches letztere seit 1292 im Besitz der Markgrafen vorkommt.

Im Jahre 1295 stirbt das ostpommersche Fürstengeschlecht aus, und die Polen, Kreuzherren, Markgrafen von Brandenburg und die westpommerschen Herzoge stritten um das Erbe. Schließlich wurden in einem Vertrage Pommerellen und Lauenburg und Stolp dem Ritterorden zugesprochen, während Belgard (Neustettin gehörte dazu) den Herzogen von Westpommern verblieb.

Das alte Land Schivelbein hatte andere Grenzen

Der Kreis Belgard sollte 1815 / 17 aufgelöst werden.

Suchen / Search    Translate    Inhalt    Mailingliste    Forscherkontakte  

HaftungsausschlussDisclaimer  

Schreiben Sie mir Ihre Fragen und Anregungen

Contact me if you have questions or suggestions.

Dieter Schimmelpfennig